Rundgang durch Tegueste-Teneriffa

Rundgang durch Tegueste-Teneriffa

Jeden Donnerstag um 11.00 Uhr findet ein geführter Rundgang durch die Altstadt von Tegueste statt. Der Rundgang führt bis zu der Finca „Casa Los Zamorano“ und dauert circa 1,5 Stunden. Telefonische Reservierung ist erforderlich. Es ist wirklich schade, dass die Führung nur in spanischer Sprache stattfindet. Da werden wir aber auch noch eine Lösung finden! Das Tourismus-Zentrum in Tegueste besteht erst seit drei Jahren und wahrscheinlich sind deshalb die touristischen Aktivitäten von Tegueste auch wirklich nur Insidern bekannt.

In Tegueste ist es wie in Tejina. Hier wohnen nur Einheimische. Im Gegensatz zu den Tejineros, die sich ja gerne täglich in ihrem Ort und in den Cafeterias treffen, igeln sich die Einwohner von Tegueste nach ihrem vollbrachten Tagewerk eher zu Hause ein. Tegueste erstreckt sich bis El Socorro hinauf bis zur Parallelstraße zur Autobahn oben in Los Rodeos am Nordflughafen. In dem Dorf Tegueste leben circa 4.500 Einwohner. Mit allen noch dazu gehörenden Dörfern inklusive El Socorro kommt Tegueste auf die stattliche Einwohnerzahl von circa 11.500 Personen (Stand 2015).

Der Name Tegueste erinnert bis heute an den Mencey (Guanchenkönig) Tegueste, dessen Menceynato (Königreich) mit zu den bedeutendsten auf Teneriffa in der Guanchenzeit zählte. Er kämpfte gemeinsam an der Seite von Mencey Bencomo und anderen gegen die Spanier.

Unser Rundgang beginnt direkt vor der Kirche „San Marcos Evangelista“, die um 1700 im barocken Stil gebaut wurde.

Sie besteht aus drei länglichen Kirchenschiffen mit Turm und Glockenturm, der im Laufe der Jahrhunderte bis zu seiner heutigen Höhe gebaut wurde.
Gegenüber befindet sich das Tourismusbüro mit Ausstellungsräumen. Es handelt sich um einen Bau in L-Form. Dieses Gebäude war der Wohnsitz von Antonio Peirera Pacheco y Ruiz mit der ersten Schule für die Kinder des Ortes, die er nach seiner Rückkehr aus den Kolonien Südamerikas gründete.

Bereits zu Guanchenzeiten lebten die Ureinwohner direkt am Barranco „Agua de Dios“.

In und an diesem Barranco befindet sich eine der wichtigsten archäologischen Stätten von Teneriffa. Die Grenzen des Menceynato (Königreich) Tegueste erstreckten sich bereits damals vom Meer bis zu heutigen Teilen von La Laguna.
Die Eroberer siedelten direkt am ertragsreichsten Hang von Tegueste ihre Höfe an und bauten die Stabbrücke zur Verbindung an den unteren Ortsteil. Bei Hochwasser der Barrancos wurde die Brücke mehrmals zerstört und die Siedler waren regelmäßig vom Rest des Ortes komplett abgeschnitten. Heute führt der Barranco „Agua de Dios“ nur noch bei starken Regenfällen Wasser und man erkennt an der Vegetation im Barranco, dass das nicht mehr oft der Fall ist. Die Brücke „Puente de palo“ wurde 2010 das letzte Mal rekonstruiert.

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Nach der Eroberung von Teneriffa im Jahre 1496 wurde Alonso Fernández de Lugo von der spanischen Krone als Statthalter eingesetzt. Er gewährte sowohl den Ureinwohnern wie auch den Siedlern die Nutzung der Böden in der wasserreichen Region von Tegueste.

Die Einwohner schufen die ursprüngliche Siedlung „El llano“, die um die Plaza de la Arañita entstand. Die Plaza Arañita erhielt ihren Namen aufgrund der kleinen Straßenlaternen, die im Volksmund Arañitas genannt wurden. Die Bevölkerung von Tegueste war zu diesem Zeitpunkt noch so arm, dass sie sich für ihren Platz keine größeren Laternen leisten konnten.

kleine Lampe

Hier wurde auch die erste Kirche zu Ehren von “San Marcos Evangelista”, dem Schutzheiligen von Tegueste, gebaut. Im Laufe der Zeit und aufgrund des demografischen Zuwachses und der Erweiterung von Tegueste wurde die Kirche 1700 an ihren heutigen Standort verlegt.

An einer Wegkreuzung gelegen nähern wir uns dem Platz „La Placeta“.

Dieser Platz liegt nahe der beiden Barrancos, so dass die Wasserversorgung gewährleistet war, um Landwirtschaft und Viehzucht zu betreiben. Dieser Platz war viele Jahrzehnte ein wichtiger Versammlungsort der Bevölkerung. Die Kapelle wurde zu Ehren der „Virgin Los Remedios“ erbaut. Hier beginnt auch der Kreuzweg seit Mitte des XIX Jahrhunderts. Alle Prozessionen der verschiedenen Feste von Tegueste auf Teneriffa beginnen hier an dieser kleinen Kapelle. Das Wasser der Quelle bekommt man bis heute an diesem Ort umsonst und es handelt sich dabei um Trinkwasser. Solltest du einen leeren Wasserkanister dabei haben, fülle dir ruhig einen voll, um das Quellwasser in deinen vier Wänden zu genießen. Allerdings solltest du es schnell verbrauchen, weil es ganz natürlich von der Quelle aus diesem Wasserhahn fließt und nicht aufbereitet wird.

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1582 – 1583 wütete die Pest „pesta de Landres“ auf Teneriffa.
Seltsamerweise wurde fast nur die Region um Tegueste von der Pest verschont. Die Inselregierung wurde kurzer Hand nach Tegueste in die „Casa de audiencía“ verlegt und der Legende nach schworen die Ratsherren, wenn Tegueste von der Pest verschont bliebe, würde regelmäßig das Fest „La Librea“ in Gedenken an diese schlimme Zeit gefeiert werden. Das Fest findet alle drei Jahre statt und wurde in die Liste der Kulturgüter der UNESCO aufgenommen.

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In diesem Zusammenhang erfuhren wir als unwissende „Giris“ (kanarischer Ausdruck für Nordeuropäer), dass die Tradition der Schiffe, die oft in den Prozessionen und Umzügen auf der Insel zu sehen sind, das Schlechte und Böse verkörpern. Denn, klar, wir befinden uns auf einer Insel, also kommt alles Böse, wie zum Beispiel Krankheiten, vom Meer unter anderem in Form von Schiffen.

Im XIX Jahrhundert gab es signifikante Änderungen in Tegueste.

Die Deklaration in 1813 als eigenständige Gemeinde war der Beginn von wichtigen sozialen und ökologischen Reformen, die von liberalen Strömungen gefördert wurden. Nach seiner Rückkehr 1816 aus der südamerikanischen Kolonie Peru in seinen Heimatort Tegueste trug Antonio Pereira Pacheco y Ruiz in erheblichem Maße dazu bei. Unter anderem gründete er die erste Schule in Tegueste. Antonio Pereira Pacheco y Ruiz war eine illustre und ungewöhnliche Person seiner Zeit. Auf unserer Inseltour werden wir noch des Öfteren über ihn berichten.
Allerdings wirkten sich diese Änderungen nicht besonders auf das Eigentum der Böden aus. Diese wurden weiterhin überwiegend von Pächtern und Arbeitern bestellt.

Im XIX und XX wanderten viele Canarios von Teneriffa in die südamerikanischen Kolonien aus.

Einige der Emigranten kehrten wohlhabend zurück und investierten ihren Reichtum in Ländereien.

Im XX Jahrhundert kämpften die Einwohner mit Lebensmittelknappheit und mussten die Folgen der Inflation aushalten, die durch den Bürgerkrieg verursacht wurde.
Erst in den 60er Jahren des XX Jahrhunderts wurde in moderne Einrichtungen wie Kanalisation, Wasserversorgung und Elektrizität investiert. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Bevölkerung darauf angewiesen, ihr Wasser an der Quelle zu holen. Für uns Nordeuropäer unvorstellbar. Unsere nette junge Reiseleiterin erzählte uns, dass ihre Mutter sich noch gut daran erinnert, ohne Strom, elektrisches Licht und Kanalisation in ihrer Kindheit gelebt zu haben.

Mit dem Beginn der Demokratie (Ende der 70er Jahre des XX Jahrhunderts) entwickelte sich Tegueste durch Zuwanderung und Erschließung des Tourismus auf Teneriffa stetig weiter.

Auch trugen architektonische und innerstädtische Reformen dazu bei, Tegueste in das XXI Jahrhundert zu führen. Die Gemeinde von Tegueste hat über den Wandel der Zeit immer an ihren Traditionen und Wurzeln festgehalten. Deshalb sind die Bürger auch sehr stark bei ihren Festen eingebunden und wollen allen zeigen wie gut sie sind. Die Romeria zu Ehren des Schutzheiligen von Tegueste „San Marcos Evangelista“ ist eine der größten, schönsten und bekanntesten Fiestas auch über die Inselgrenze hinaus. Die prächtigen Wagen, die jedes Jahr neu gestaltet werden, sind wahrlich eine Augenweide.

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Unser Rundgang führt uns an der „Casa Tacoronte“ vorbei. Dieses Herrenhaus diente ab Ende des XIX Jahrhunderts dem französischen Konsul Chassériau als Sommerresidenz. Da stellt sich die Frage, wie ein Franzose an ein so schönes Gelände und Herrenhaus auf den Kanaren kommt. Na klar, durch Heirat! Eine seiner Töchter ehelichte ein Mitglied des Hauses Tacoronte. Der Garten verfügt über die gleiche Artenvielfalt wie der botanische Garten in Puerto de la Cruz. Schade, dass nicht wenigstens der Garten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Es handelt sich um Privatbesitz, sodass alles nur beschrieben werden kann.

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Bereits kurz vor der „Casa Tacoronte“ beginnt der „Camino de Los Laureles. Dieser Steinweg führte direkt nach La Laguna und musste nach jedem Winter von den Bewohnern von Tegueste wieder unentgeltlich Instand gesetzt werden. Wenn du noch Lust und Zeit hast, gehe ihn hinauf. Er führt auch direkt zur „Casa de Los Zamorano“. Dabei handelt es sich um eine riesige Finca. über die wir im nächsten blog berichten werden.

Hier noch die Telefonnummer von Tegueste, um an dem Rundgang für den Obolus von 2,00 € pro Person teilzunehmen:

Oficina del tourismo: 922 316 102

 

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